Das „ABC“: Wie sich Asyl Spenge von den Anfängen an entwickelte

(von Annemarie Leiser-Ellersiek, 15.09.2021)

Dieses „ABC“ erhebt keinen Anspruch darauf, aktuell zu sein, weil die fast zwei Jahre dauernde Corona-Pause die Arbeit von Asyl Spenge (erzwungenermaßen!) unterbrach!.
Es kann uns aber noch einmal in Erinnerung bringen, wie sich Asyl Spenge von den Anfängen an entwickelte.
An dieser Stelle möchte ich an Brigitte Janssens, Rechtsanwältin Stephanie Lampe und an Erhard Krull erinnern, die sich auf ganz unterschiedliche Art bei Asyl Spenge bzw. den Flüchtlingen einbrachten.

A …wie Anfang

Aller Anfang war am 09. Januar 2014. Christine Hartmann, Karl Hankel und ich starteten den Kurs mit 12 Teilnehmern, alles Männer und nur eine Frau: Renate Belo!
An unseren ersten Kurstag erinnere ich mich noch sehr genau, sehe vor meinem Auge noch ganz deutlich Renate, Hamid und Tewelde.

B …wie Bildungsangebot

Unser Bildungsangebot in 2014 begann mit 12 Teilnehmern, und bald hatten wir ein volles Haus!
Als wir dann so viele Teilnehmer hatten, dass sich die Gruppe teilen musste, haben wir auch diese Herausforderung gut gemeistert.
Monika Lorenz pendelte damals jeden Morgen mit ihrer Gruppe vom Bürgerzentrum ins evangelische Gemeindehaus!

C …wie Charbel

Charbel, mit seinem Charisma, seinem Charme, war Christ und einer der wenigen, der aus eigenem Antrieb zurück in seine Heimat, den Libanon wollte. Zusammen mit seinen Eltern verließ er uns dann bald. Erhard Krull, der Charbel später in Beirut besuchte, berichtete von seinem Besuch bei ihm und von seiner Heirat.
(Nachtrag zu Charbel: Charbel verlor bei der katastrophalen Bombenexplosion im Hafen von Beirut, so wie viele Beiruter, ebenfalls seine Existenz, einen kleinen Gemüseladen!)

D …wie Deutsch

Deutsche Sprache, schwere Sprache! Deutsch lernen!
Für unsere Flüchtlinge war und ist das eine enorme Anstrengung, was mir sehr deutlich bewusst wurde, als ich mich nach Jahrzehnten wieder, wie eine Schülerin, in die „Tiefen und Untiefen “ meiner Muttersprache begeben musste, um nach Methoden zu suchen, wie man sich als Fremder unsere Sprache sinnvoll aneignen könnte.
Es war, trotz unseres ersten Kursbuches „Das Thannheimer Modell“, nicht so einfach.

E …wie Experten

Experten, das waren Menschen aus unterschiedlichen Institutionen, wie Arbeitsagentur, AWO, Ausländeramt, Diakonie, Flüchtlingsrat, Frauenberatungsstellen, Gesundheitsamt, Kommunales Integrationszentrum, die Stadt Spenge und hier insbesondere die Fachleute aus dem Sozialamt Spenge, die, in guter Zusammenarbeit, ihre Erfahrungen mit uns teilten.

F …wie Flucht, Flüchtlinge, Fremde

Für die meisten der Flüchtlinge war die Landung in Spenge hart, denn es mussten fremde Menschen unterschiedlicher Herkünfte und Kulturen ganz eng zusammen leben: am Bahnhof, in der Eschstraße u.ä., und für manche Flüchtlinge war die Landung besonders hart, als man die Ankommenden im Dezember 2015 in der Turnhalle unterbringen musste.
Heute haben wir andere Verhältnisse, das hat die Stadt Spenge wohnungsmäßig gut geschafft. Asyl Spenge hat das Einrichten der Wohnungen ermöglicht, das Einleben in Spenge begleitet und erleichtert.
Dadurch konnte man vielen Menschen, vielen Familien ein Stück auf dem Weg der Integration ermöglichen.

G …wie Genehmigungen

Genehmigungen jeglicher Art waren zu Beginn unserer Arbeit ein „Sesam, öffne dich!“!
Anfangs bedurfte es nämlich großer Anstrengungen, einen Sprachkurs, einen Praktikumsplatz, oder gar einen Arbeitsplatz genehmigt zu bekommen.
Zu der Zeit standen alle Flüchtlinge in Deutschland vor wahrlich sehr, sehr hohen Mauern.

H …wie Hilfen

Hilfreich zur Anerkennung und zur Bestärkung unserer ehrenamtlichen Arbeit waren zweifelsohne die Zuwendungen von der Firma Weser-Energie, der Ehrenpreis der Stadt Spenge, die große Spende der Gruppe Spieltrieb, die Zuwendungen der Regenbogen-Gesamtschule Spenge und auch die Einladung des Flüchtlingsrates in die Zeche Zollverein, wo wir unsere Arbeit vorstellen konnten.
Viele weitere Zuwendungen, die hier nicht aufgeführt sind, waren uns immer große Hilfen.

I …wie individuelle Betreuung

Individuelle Betreuung, war von Anfang an ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit und reichte weit über den Kurs hinaus, indem wir z.B. die Flüchtlinge zum Arzt begleiteten, ihnen halfen ihre Post, die sie von den Behörden erhielten, zu verstehen oder ihnen behilflich beim Ausfüllen diverser Anträge waren. Individuelle Betreuung wird nach wie vor ein Teil unserer Aufgaben bleiben.

J …wie Jubel

Jubel erlebten wir in Minden, als ein Antrag auf Asyl im Gericht Minden auch mal positiv beschieden wurde. Annegret Beckmann wird sich bestimmt erinnern, wie wir nach der Verhandlung froh und entspannt in der Sonne Kaffee tranken!

K …wie Kinderbeteuung

Kinderbetreuung ist uns großartig geglückt!
Meine Frage zur Kinderbetreuung geht daher an Monika Wolk:
„Monika, wie viele Kinder sind in unseren Räumen groß geworden?“

L …wie Lieder

Lieder zusammen singen, meist im Kanon, war ein tolles Mittel, die Herzen zu öffnen.
Rudis Geige half uns dann, die Melodien zu halten, und auch bei uns wurde das Lied „Unsre Oma fährt im Hühnerstall Motorrad!“ gesungen, doch bei uns war unsere Oma noch keine „Umweltsau“ (siehe eine Pressenotiz von 2019!).

M …wie Mut, Mühen

Mut hatten unsere Flüchtlinge bewiesen, als sie sich auf den Weg nach hier machten und ebenso lagen große Mühen hinter ihnen.

N …wie Nähe

Nähe konnte sich zwischen Team und Flüchtlingen entwickeln, und unsere Flüchtlinge vertrauten uns Vieles an: Einkommensübersichten, Zahlungsrückstände, Strafbenachrichtigungen, polizeiliche Vernehmungen und einiges andere mehr!

O …wie Ovation

Oho, oho, oho! – Ohje, ohje, das O fehlt! Es fehlt ja so!
Oh, my goodness? What ist lost? Where ist gone the O?
Wisst Ihr noch, dass wir uns anfangs in Englisch (Denglisch!) verständigten?
Nun nehmen wir mal das O und spenden:
„Overwhelming ovations for our organizer K(o)arl“, der uns durch die Jahre geführt hat und uns den Sinn deutscher Sprichwörter und Redewendungen verständlich machte!

P …wie Planen, Pünktlichkeit

Planen, wie man nach jedem Kurstag Fortschritte in der deutschen Sprache ermöglichen könnte, war natürlich schon möglich: an meinem Schreibtisch!
Aber, wir merkten beizeiten, dass wir äußerst flexibel sein mussten, insbesondere, was Pünktlichkeit, aber auch Anwesenheit betraf.

Q …wie Qualen

Qualen, waren nach Erfolgen vergessen und Erfolge waren (und sind ) in der Gruppe immer gut aufgehoben gewesen, seien es:
endlich genehmigte Deutschkurse bei AWO oder VHS, Genehmigungen für Praktikumsplätze, erfolgreiche Arbeitsplatzsuche, der deutsche Führerschein oder gar eine bestandene Ausbildung, endlich ein eigenes Zimmer oder endlich sogar eine eigene Wohnung („Spreche mit Anne Beckmann!“).

R …wie Raum, Ruhe

Raum und Ruhe:
In unserem Raum im Bürgerzentrum war ganz oft für mich spürbar, wie unsere Flüchtlinge den Raum annahmen, sich dort entspannten und zur Ruhe kamen. Das Bürgerzentrum war geschützter Raum für sie und ermöglichte ihnen, in der Zeit des Kurses alle Anspannung abfallen zu lassen.

S …wie Spenden

Spenden gab es reichlich, und die Hilfsbereitschaft der Spenger Bürger hat mich manchmal sehr überrascht!

T …wie Trauma, Traurigkeit, Trauer, Tod

Trauma, Traurigkeit, legten sich oft wie Schatten über unsere Begegnungen im Kurs.
Trauer verbindet uns mit Mensurs Tod. Mensur aus Eritrea, der hier, einsam in der Fremde, ohne seine Familie starb! Vielleicht an einem gebrochenem Herzen starb?

U …wie Umgebung, Umfeld

Unsere Umgebung mit ihrem Umfeld wollten wir unseren Flüchtlingen durch viele Ausflüge näher bringen. Der Ausflug in den Osnabrücker Zoo beispielsweise war für die Kinder ein tolles Erlebnis!

V …wie Vertrauen

Vertrauen wir darauf, dass man sich an uns erinnert!
Unsere Weihnachtsfeiern sind immer gut besucht und haben wesentlich dazu beigetragen uns zu vertrauen, so denke ich!

W …wie Warenlager

Auf dem Speicher im Bürgerzentrum, unserem Warenlager, wühlten manche wie im Paradies.
Ganz am Anfang unseres Kurses erinnere ich mich, dass wir beiden, Christine Hartmann und ich, uns zögernd fragten, ob es wohl angemessen wäre, den Flüchtlingen getragene Kleidung anzubieten.
Nachdem wir uns dann zum ersten Mal trauten, warme, getragene Jacken auszulegen, merkten wir, dass unsere Skrupel Teil unseres Wohlstandsdenken waren. Für unsere Flüchtlinge waren sämtliche Kleidungsstücke von großem Wert.

X & Y …wie ?

Ein X für ein Y, macht mir, macht Euch nach sechs Jahren Arbeit bei Asyl Spenge niemand mehr so schnell vor, und wir lassen uns weder ein Y noch ein X vormachen, von welcher Seite auch immer!

Z …wie Zukunft

Zukunft?
Ganz viele unserer Flüchtlinge haben es geschafft, sich eine Perspektive zu verschaffen, und haben es geschafft, auf eigenen Füßen zu stehen!
Das gibt uns ein gutes Gefühl und stärkt unsere ehrenamtliche Teamarbeit!

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